Vor einem halben Jahr wurde ich gebeten, mein Konzept für eine wichtige Präsentation auf einer einzigen Folie darzustellen. Die Kunst der Einfachheit – na wunderbar. Was nützt all das Wissen, wenn man den Kern seiner Gedanken nicht vermitteln kann?
Also zeichnete ich drei Kreise auf ein Schmierblatt, verbunden durch einen Pfeil von innen nach außen. Die Kreise trugen zunächst die Beschriftungen Permanence, Perseverance und Performance – mein Versuch, die Zustände einer Transformation greifbar zu machen. Euphorisch teilte ich diese „revolutionäre Entdeckung“ mit meinen Weggefährten… und sah in viele freundlich verwirrte Gesichter.
Danke Euch dafür. Dafür, dass Ihr nicht einfach nickt und zustimmt, sondern mich mit wohlwollendem Zweifel, kritischen Fragen und echtem Interesse herausfordert. Ihr helft mir, meine Gedanken zu schärfen – und fördert damit mein Wachstum.
Ein paar Wochen später änderte ich die Begriffe zu Purpose, Process und Performance. Und das Ganze bekam einen Namen: Triformation – ein Modell, das die drei Ebenen einer Transformation beschreibt.
Dieser Artikel ist mein erster Blogbeitrag. Er basiert auf einem Auszug aus meiner Abschlussarbeit im Coaching – die Ihr übrigens hier herunterladen könnt. Ich habe nicht das Rad neu erfunden. Wenn überhaupt, dann die Verbindung zweier Welten – Lean und Haltung. Die klugen Gedanken dahinter gebühren all jenen Vordenkerinnen und Vordenkern, die mir vorausgegangen sind – und es bis heute tun.
Paradigmen
Für meine Ausführungen möchte ich zunächst zwei Paradigmen beschreiben.
Paradigma Nr. 1 nenne ich Performance. Es ist das allgegenwärtige Weltbild, das uns von Geburt an begleitet. Ob in der Schule, im Sport oder im Beruf – in erster Linie zählen Leistung, Ergebnis und Erfolg. Dieses Paradigma hat sich evolutionär bewährt und bringt viele Vorteile mit sich: es ist einfach. Denn Leistung lässt sich vergleichen. Wer hat die beste Note, die schnellste Zeit oder den höchsten Umsatz?
Paradigma Nr. 2 nenne ich Purpose und ist wesentlich tiefgreifender als Performance. Hier dreht sich alles um Identität, Werte, Bestimmung. Wer in diesem Weltbild handelt, will nicht der Beste sein, sondern sein Bestes geben.
Beide Paradigmen sind universell und lassen sich nicht nur auf Menschen, sondern genauso gut auf Organisationen und unsere Gesellschaft übertragen. Beide haben unendlich viele Facetten. Da ich nicht im Detail darauf eingehen kann, beschränke ich mich hier auf die Aufzählung einiger Merkmale.
Performance
- Was?
- Schnelles Denken
- Ergebnisse
- Management
- Push
- Effizienz
- Operativ
- Masse
- Der Mensch ist Mittel. Punkt.
Purpose
- Wofür?
- Langsames Denken
- Identität
- Leadership
- Pull
- Effektivität
- Strategisch
- Klasse
- Der Mensch ist Mittelpunkt.
Arbeit kann viel leisten – und dennoch wirkungslos bleiben. Ob für das Selbst, eine Organisation oder unsere Gesellschaft: Leistung ist nicht gleich Wertschöpfung. Und schon gar nicht Sinn. Eine solche Reflexion kann – besonders in unserer Leistungsgesellschaft – viel in Bewegung bringen. Doch ist sie zumutbar?
Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Niemand kann auf Knopfdruck ein Paradigma ändern, mit dem er sein Leben lang geprägt wurde und schon gar nicht, wenn er damit hoch erfolgreich ist. Das ist auch gar nicht das Ziel. Vielmehr geht es darum, hinter der Leistung die eigene Bestimmung zu finden, ihr einen Sinn zu geben.

Triformation
Performance und Purpose sind keine Gegensätze – sie bedingen einander. Um diesen Zusammenhang greifbar zu machen, habe ich das Konzept der Triformation entwickelt.
Triformation beschreibt die verschiedenen Ebenen einer Transformation: Der Außenkreis – Performance. Der Innenkreis – Purpose. Und dazwischen – das Spannendste: der Process.

In diesem Kontext steht der Prozess für Veränderung durch Verhalten. Verhalten, das Motivation braucht – von außen (1) oder von innen (2).
- Wenn der Prozess primär auf Leistung abzielt, braucht es schnelle Erfolge als Bestätigung. Doch die bleiben oft zu lange aus – und mit ihnen schwindet die Ausdauer.
- Wenn aber der Prozess aus der eigenen Bestimmung kommt, dann wird das Verhalten zur Belohnung an sich. Es passt zu meinem Selbst. Es wirkt von innen. Dann ist Verhaltensänderung nachhaltig. Und Performance? Die logische Folge, kein Selbstweck. Ergebnisse ergeben sich. Und Erfolg? Der folgt.
Triformation hat viele Aspekte und einen universellen Charakter. Ihre Wirkung lässt sich in zwei Prinzipien zusammenfassen:
- Wer von außen startet, kann seine wahre Bestimmung nicht erfahren.
- Wer von innen startet, wird nachhaltigen und sinnstiftenden Erfolg ernten.
Welches Paradigma prägt dein Denken? Und was liegt vielleicht schon darunter, bereit zum Vorschein zu kommen?
Bildnachweise
Beitragsbild: © Guillaume Tréfeu (exklusive Nutzungsrechte)
Abbildungen/Grafiken: © Guillaume Tréfeu (erstellt mit Microsoft PowerPoint)

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