Die volle Müslischale
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Dienstagmorgen, 6:20. Der Wecker klingelt.

Ich stehe auf und wecke meinen Sohn sanft.

Er frühstückt, ich bin im Bad. Ein paar Minuten später betrete ich die Küche. Da ist er: der Trigger. Die Müslischale ist randvoll. Ich kenne das Drehbuch: „Das schaffe ich nicht mehr.“ Und die Hälfte landet im Müll. Allein der Gedanke daran lässt mich innerlich hochfahren.

Mein erster Impuls schießt nach vorn: „Zu viel. Das wird nichts.“ Doch ich stoppe. Ein kleiner, innerer Ruck. Ich halte inne und frage mich: „Was bewirke ich, wenn ich das jetzt sage?“

Die wahre Antwort ist unbequem: „Du bist nicht okay. Ich traue dir nicht zu, dich selbst zu bedienen.“ Und aus einer Befürchtung würde eine selbsterfüllende Prophezeiung.

Also lasse ich es. Ich atme und nehme meine Haltung wieder in die Hand. Plan B liegt bereit: Falls Essen übrig bleibt, reden wir darüber, was er daraus lernt.

Ich räume die Spülmaschine aus, spreche kurz mit meiner Frau, richte mein Müsli. Als ich mich hinsetzen will, ist mein Sohn schon weg. Die Schale ist leer, der Tisch aufgeräumt.

Vielleicht ist das die ganze Pointe: Wer bei anderen ein Problem sieht, kann bewusst die Perspektive wechseln und sich fragen: „Liegt möglicherweise das Problem in meiner Haltung?“

Einfach ausprobieren. Und beobachten, was passiert.


Beitragsbild: Foto von congerdesign from Pixabay


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